eine kurze auszeit
das abteil füllt sich mit halblauten
gesprächen. ein schlepper reißt
eine naht auf im main. das buschwerk
nagelt den ufersaum mit borsten.
eine weide zieht gebeugt ihre äste
durchs wasser. zwei kinder schaukeln
die nachmittagsstunden aus.
schwarzpappeln wachsen der luft
in den mund. limousinen ducken sich
im schatten wie schlangen. kreuze
auf kirchtürmen gemahnen die zeit.
in der ferne federn die kronen der hügel.
felder werden vom düngen schwarz.
handtuchgroße parzellen wachsen
zu laken. die dunkelheit faltet sie stumm
zusammen für eine kurze auszeit


Autor: Karin Posth (72 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Vom Zug aus hat man einen schönen Blick auf die Welt. Die Muße, zu beobachten. So wird die Zeit nicht lang. Alles ist im Fluss.
Quelle: unveröffentlicht