Im Schneckenhaus
In einem kleinen Gartenstaat,
da lebte zwischen Kopfsalat,
im Schutze einer großen Hecke,
voll Wonne eine fette Schnecke.
Allein, von Pflanzen nur umgeben,
galt dem Genuss ihr ganzes Leben.
Sie nahm von allem nur das Beste
und hinterließ ein Beet voll Reste.
An einem wunderschönen Tag,
als faul sie in der Sonne lag,
kam in ihr kleines Königreich,
zwar andersfarbig, doch sonst gleich,
ein weiteres nettes Schneckentier,
mit Hunger und Salatgespür.
So ist das Leben wohl bisweilen,
wer Vieles hat, der sollte teilen.
Die Kunde von dem Wundergarten,
die lockte Schnecken aller Arten.
Es war genug für alle da,
doch Schnecke eins, die sah Gefahr.
Ihr ging es ab sofort ganz schlecht,
sie fand das Leben ungerecht,
doch war sie heut´ wie gestern satt,
was sie vor Wut vergessen hat.
Ihr Leben schien ihr nun verdorben,
vor Selbstmitleid ist sie gestorben.
Auch Menschen geht es manchmal so,
nur Materielles macht sie froh.
Geht es mal einen Schritt zurück,
zerbricht ihr ganzes Lebensglück.
Das Fremde ängstigt manchen sehr
und er schwimmt mit im braunen Meer.
Wer reich an Herz ist und Verstand,
gibt Nächsten die gefüllte Hand
und jammert nicht, ob kleiner Gaben,
aus wohlgefüllten Honigwaben.


Autor: Hans - Georg Wigge (58 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Die Beweggründe für das Gedicht "Im Schneckenhaus" waren damals die fremdenfeindlichen Auswüchse in den 90er Jahren.
Schaut und hört man heute aufmerksam um sich, erkennt man erschrocken, der unterschwellige Nationalismus lebt agiler denn je. Die Populisten beuten die Ängste vieler Bürger für Ihre perfiden Zwecke aus und düngen dankbaren Boden.
Quelle: eigenes