Ich öffne meinen Koffer...
Hier ist er, mein Koffer. Mein Koffer ist alt und abgenutzt. Die Spuren seines Daseins haben sich auf ihm abgezeichnet. Ich streiche über seinen Deckel, die Seiten, die Verschlüsse, schließe dabei die Augen, atme ein. Wie riecht mein Koffer? Vielleicht ein kleines bisschen noch nach dem letzten Seeurlaub. War es die Ostsee oder Capri? Rieche ich da etwa noch ganz entfernt die Algen?
Hmmh, Salzwasser, Meeresrauschen, Sand...

Meine Hände verweilen an den Kofferverschlüssen, ich öffne die Augen: Neugier...

Ich lasse die Schnallen hochschnappen. Ach, was für ein verheißungsvolles Geräusch und Erinnerung und Melancholie.
Behutsam öffne ich den Deckel, möchte auch hierbei den Geruch des Inhalts einatmen und schließe dabei noch einmal die Augen. Nun aber, was ist in dem Koffer?
Allmählich gewöhnen sich meine Augen an die Helligkeit. Ich linse in den Koffer und was sehe ich?

Nichts! Der Koffer ist leer, er hat keins seiner Versprechen eingelöst. Nicht einmal ein Krümel Sand. Einfach nichts...

Enttäuschung...



...doch dann eine Erkenntnis:
Ich kann die Leere füllen mit allem was ich möchte. Der Koffer kann mir Last abnehmen, Erinnerungen speichern und Fernweh erfüllen. Ich könnte zum Beispiel meine ganzen Ansichtskarten, Eintrittskarten und alles was ich an papierenen Erinnerungen habe hineintun – warum eigentlich nicht?

Nun ja, mal sehen.


Verheißung...




Autor: Gudrun Deutsch (50 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Entstanden aus einem Kunstseminar mit dem Titel: Kunst im Koffer
Annäherung an die Aufgabenstellung
Quelle: nicht vorhanden