Hellhörig
Wenn ich es gefunden habe,
das ein oder andere Wort,
dann am Fuß meiner Himmelsleiter,
im Schwarz meiner eigenen Nacht gegründet
und darüberhinauswärts, in noch immer unverstandenem Blau.

Es wird mir eingefallen sein von oben her,
oder emporgestiegen aus meiner Tiefe,
weil dieses Blau, diese Ahnung von Blau
einem Blinden Licht werden ließ,
für ein paar Silben lang.

Hellhörig im dunklen Grenzland;
Brechungen ewiger Worte,
die immer neu die Wahrheit raunen,
die den Stein unter meinen Kopf buchstabieren
und den Boden unter meinen Schritt.

Seither harre ich aus,
Herzschlag um Herzschlag
im Schwarz deiner Nacht oder der meinen,
der Brüche, der Wundränder,
für ein paar Silben lang.


Autor: Steffen Glathe (57 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Ich lausche auf geheimnisvolle Botschaften aus der Bandbreite inneren Erlebens und ihre Resonanz im Ewigen, auf Silben und Satzfetzen, Gestammel und Schreie, auf Unter- und Obertöne und ihr Oszillieren um das Gesagte und das Verschwiegene. Und dann und wann, um das eine oder andere Verstandene der Flüchtigkeit des Verstehens zu entreißen, zeichne ich es auf.
Quelle: Steffen Glathe