zwischen den Zeilen
das Buch in meinem Schoß
und zwischen den Zeilen noch immer
der harzige Geruch nach Kiefern, Pinien und
Erinnerung an den staubigen Weg, blauen Himmel
sonnentrockene salzige Meeresluft
wenn ich umblättere rauscht die Brandung
zieht geräuschvoll Kieselsteine ins Meer zurück
der steile Fels spendet keinen Schatten
zwischen den Zeilen blendet die Nachmittagssonne
das Buch liegt im brennenden Sand
ich schwimme im lauwarmen Blau
ein alter Mann vertäut sein Boot
was bleibt, ist ein honigsüßer Fleck auf dem Lesezeichen
und ein Sandkorn zwischen den Zeilen versteckt



Autor: Katharina Jäschke (57 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Ich selbst verbinde mit dem Gedicht die Erinnerung an einen konkreten Ort, der aber hier nur als Metapher für die Erinnerung an die Zeitlichkeit unserer Empfindungen steht.
Quelle: ---