Gedankenflug
Wenn meinen Texten die Buchstaben entgleisen vor Müdigkeit
und zwischen den Zeilen die Leere lauert
wenn der Sekundenzeiger meiner kleinen Schreibtischuhr tickt
Schluss machen, Schluss machen, Schluss machen!
und Morpheus vergebens wartet
dass mein Tag vor Mitternacht endet
lässt hier und da ein Wort seine Hülse fallen und beginnt leise zu singen
um auf einem Gedankenflug die eine Silbe zu finden
die ihm zuflüstert ‚Nimm mich!'
weil sie nicht allein bleiben will in dieser Nacht
Und dann schlingen sie die Arme umeinander deine müden Worte
und im Glück sich neu zu entdecken
spielen sie miteinander auf den Äckern
und fliegen gemeinsam nach dem Süden
wo sie sich endlich vereinen zu einem dreiviertel Halbsatz
über Ewigkeit und Trost
Morgens wenn du zur Tür hinaus trittst in die kühle Luft
und im Dunkeln über das feuchte Gras streifst
wehen sie dich an deine törichten Worte
und selig bei dir zu sein
fragen sie zweifelnd ob sie bleiben dürfen.



Autor: Anke Wogersien (54 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Was mich zum Schreiben bringt:

Der Glücksmoment, wenn ich mit Erstaunen feststelle, dass es Menschen gibt, denen ich mit meinen Worten etwas schenken kann. Das ist alle Mühe wert.
Quelle: eigenes