heute abend
kommen die raben zur ruhe nur ihre satzfetzen stieben noch über die hänge und abendsonne legt sich über die aufgekratzte seelenhaut irrlichtert der herzschlag pulsen noch die schwarzen wörter in den eingeweiden vor den geschlossenen augen zucken rote kreise und heiß schießt mir die brut die schwarze wieder in die ohren wird zum klirrenden dauerton doch

dann öffne ich die augen und durch die wipfel so grün gießt mir der abend ein unverschämtes blau ins gesicht schnappe ich nach luft verschlucke mich am abendrot und würge die gurgelnden erklärungen wieder herunter bevor sie mir vom kinn tropfen aus den augen fließen über die lippen strömen nein

heute abend ist der himmel

zu blau


Autor: Rita Dorn (54 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Dem scheinbar Unsagbaren Raum geben, den eigenen Gefühlen vertrauen, Worte finden für das, was nicht gesagt wird, aber fühlbar ist.
Quelle: Rita Dorn