Abschied
Vor diesem hellen Frühlingsmorgen,
in den dein Lächeln seidne Weichheit streut,
bin schlaflos ich und voll der ärgsten Sorgen,
du gibst mir durch mein Fieber das Geleit.

Dich grüß ich Freund, wir wollen schweigend klagen.
Und wie die Knospen still den neuen Tag begrüßen,
so denken wir, was wir uns niemals sagen
und lassen unsre rare Zeit zerfließen.

Und im Dezember, zum allerletzten Mal
am Hügelrand, berührst du meine Wangen,
schlingst mir ums Herz den Blätterschal
und hältst mich fest. Und doch bin ich gegangen.

Ich schritt voran, ins Eis, ins Leichte.
Dein Arm zog mich zurück.
Ich sah nur dich, du standest da,
winkend im Winterlicht.

Beim schneebedeckten See,
dort traf mich dann dein letzter Blick.
Und flimmerte von mir zu dir zurück.
Und brach in deinen weißen Ästen.

(für Selma Meerbaum-Eisinger)


Autor: Klaus Servene (68 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Lebenslust und Sprachvergnügen.
Quelle: eigenes