Die Bäckerin
Es ist wie
Menschen machen
flüstert sie manchmal morgens
in der vierten Stunde
wenn der Tag ein oder aus oder die
Nacht abbricht
und sie ihre Hände im Teig versenkt
ihn knetet schlägt oder
zärtlich zwischen den Fingern
hindurch quellen lässt
Dann formt sie Laibe
dunkle und helle
flüstert Beschwörungen sagt
Hefsalzzuckerundmehl sagt
meine Kinder sagt meine
Freunde sagt du mein Liebes
ehe sie ihnen mit dem Messer
jenen kleinen Schmerz
zufügt der sie
nach dem Backen
unverwechselbar macht
Jeden Tag ist es
lieben murmelt sie
schlägt das Mehl von
den Händen und die eiserne
Ofentür zu
Jeden Tag ein
Kommen und Gehen
ein Her und ein Hin ein
Hefsalzzuckerundmehl
Und inmitten: eine kleine rundliche
Göttin die als einzigen Schmuck
Schweißperlen trägt
auf der Stirn


Autor: Undine Materni (53 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Ich bin ein Bäckerkind, aber auch beim Schreiben schätze ich gutes Handwerk. Ja, und in den Texten über Handwerkerinnen will ich das Poetische entdecken, was in jedem Beruf steckt, der etwas mit Liebe zu den Dingen zu tun hat.
Quelle: Undine Materni