Auf der Kirmes
Auf der Kirmes steht ein Zelt
lange Pfosten, alte Plane
viele Jahre und drei Tage
große Herzen, kleine Welt


Staub an Schuhen und am Kragen
Schaukel-Kinder an der Hand
blaue Taube auf der Schulter
rote Schleife in den Haaren


In die Raupe immer schneller
immer schneller und dann unter
das Verdeck, wir sind weg
und wir müssen uns jetzt küssen


Sagt mir leise einen Namen
Lippen ohne Lippenstift
das Orakel auf die Fragen
meistens nur daneben trifft
rauf und runter, immer wieder

Lauern durch den kleinen Schlitz
lange Bänke, Blaskapelle
willst du meine Freundin sein
dann komm wieder um halb neun
rauf und runter, immer wieder

Eine Spiegelung der Lichter
Blicke, die verboten sind
es begegnen sich Gesichter
Phantasien werden dichter
rauf und runter, immer wieder

Auf dem Heimweg hinter Hecken
kleine Birken, hohes Gras
in der Ferne die Sirenen
hör mal zu, ich sag dir was


Viele Wünsche ohne Grenzen
Spinnenetz der Illusion
aufgepasst und angefasst
jeder Schuss ein Luftballon



Autor: Rob Kenius (74 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: prodesse aut delectare
Quelle: eigenes