Wohin mit all den ungelebten Träumen


Wohin mit all den ungelebten Träumen,
wo lege ich all unser Lieben ab?
Wie banne ich nur deinen Duft aus Räumen,
in denen ich mit dir gesungen hab.

Wie misse ich die zauberhaften Stunden
mit Morgenrot im Wald an unserm See.
So sehr hat uns das Leben herzverbunden,
schon der Gedanke dran tut endlos weh.

Wer nimmt mir ab die herrlichen Gedanken,
mit denen wir ein Luftschloss uns gebaut.
Wie öffne ich für mich die Hoffnungsschranken
und lösch‘ das Sehnen unter meiner Haut?

Noch fühle ich die farbenfrohen Bilder,
die phantasievoll wir so oft erdacht -
schon werden sie pastellig, fühlungsmilder,
auf sie legt zart sich die Vergessensnacht.

Und ohne Antwort bleiben viele Fragen,
verbrennen in der wunden Herzensglut.
Doch will und kann ich heute nichts beklagen,

denn wie es war, war es unendlich gut.

floravonbistram


Autor: Flora von Bistram (68 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers:
Wir alle trauern mal um Dies und Jenes,
aber auch sehr oft um verpasste Gelegenheiten,
um entronnene Zeit, um Menschen,
die vor uns den letzten Weg beschritten.
Wenn man dann zurückblickend sagen kann:
So wie es war war es gut... ist es Trost und Halt
in der Erinnerung an Gutes und Schönes und
so klammert man auch einmal Negatives Geschehen aus.
Quelle: eigene Gedichte