Das Gras
Das Gras

Rispengras Trespe Fingerhut Habichtskraut Seidenkraut
das man auf den Lippen zerreibt zum
süßgrünen Mahl
Ein vertrauter Pfad eine ausgesessene Bank
verstreutes Werkzeug Aufgestapeltes
ein Korn steuert südwärts gegen die Maulbeeren
ein Kind leckt sich den Mund blau

und das Lachen Rauschen die blaue Meise die Elster
und Quendel Aster
Hederich Schafgarbe Wolfsmilch milchiges Licht
weiche Rinde Rosettenblätter
rötlicher Schimmer der verblassten Wolken hinter
den verträumten Ästen

und Taubnesseln Akeleien Robinien zottige Wicken
Bibernellen
dazwischen lilagelb und blaßviolett
leuchtendes Unkraut das Summen der Masten in der Ferne
und der Widerhall des stündigen Wachsens
Leicht wie ein Haferhalm lag ich grünbeträufelt
libellengestreift
ich träumte vom Gras unvergänglichen Gras


Autor: Irena Habalik (61 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Ich liebe Pflanzen, nicht unbedingt edle Rosen oder Tulpen, sondern gewöhnliche Pflanzen (auch Unkraut), die auf der Wiese vorzufinden sind. Einmal habe ich mich auf eine Wiese hingeworfen, die Pflanzen beobachtet, gestreichelt, ihren Duft gerochen, und gleich dieses Gedicht geschrieben.
Quelle: Poesie Quadriga Nr. 3 (Edition Isele)