ich spreche
ich spreche
wie eine wolke ist meine stadt,
an einem blauen himmel.
kinder spielen darin mit dem sand der erinnerung.
hunde schnüffeln darin an verlorenen spuren.
mauern stehen darin aus grünem efeu.
und im fluss schwimmt eine gitarre aus holz.
die moschee hat eine grüne kuppel aus mitmenschlichkeit,
die kirche einen blauen turm aus sanfter vernunft,
die synagoge einen zaun aus weichem laub.
wenn der blitz aus meiner wolke zuckt,
in einem heißen sommer der zukunft,
und sich die weiten parks füllen mit nässe
und lachenden mündern unter regenschirmen,
dann werde ich zur wolke sprechen
wie eine wolke ist meine stadt, notgedrungen
verheißungsvoll, einen zerrissenen himmel im schlepptau.
aufgebrochen ins unbekannte,
das es nicht gibt, ist meine stadt.
sich leid und satt und doch hungernd
nach glück wie eine insel nach sand.
ich spreche: meine stadt nur zwei worte.
zwei worte. ich weiß.
und im fluss schwimmt
eine gitarre aus holz.


Einreicher: Literatur Apotheke ( Jahre)
Autor: Klaus Servene

Leseerfahrung: Aus Lebenslust und Sprachvergnügen.
Quelle: Hildesheimer Lyrik-Wettbewerb 2010