Maienmond
Maienmond

Der Duft des Flieders
Hält den Tag nicht mehr,
und Abend setzt sich
honigschwer
ins Haar.
Der Maienmond ertrinkt
in durstigen Gläsern;
macht mir den Mund so weich
und klaglos
jedes halbe Wort.

Und auch der Traum,
der langsam wächst,
bleibt in den dunklen
Rinden.

Noch ist
der Sommer leicht.
Und Blütenblau
hängt Schleier vor das
dunkle Tor,
wo schon
die Spinne sitzt
und ihre Fidel wetzt
für den Novemberchor.



Einreicher: Literatur Apotheke ( Jahre)
Autor: Holde-Barbara Ulrich, Berlin
Leseerfahrung: Von einem Tag zum anderen fing ich an, Gedichte zu schreiben. Es war nichts Spielerisches, keine Eitelkeit, kein Versuch. Es ereignete sich aus innerer Not, aus Lebens- und aus Liebesschmerzen.
Quelle: Hildesheimer Lesezeichen 2011