Winter
Winter


Weißer Rauch, kalte Luft
Silhouette eines Schornsteins auf der kahlen Wand
Wann wird es schneien?
Wird es überhaupt?
Fremde Tür,
Fremde Erde in meinem Garten
Felder voller Wehmut und Verlust vor meinem Haus
Ich öffne die Tür – soll ich rausgehen?
Ich sehne mich nach dem Glitzern der Eiskristalle
Der Schnee bedeckt die Traurigkeit
Es wird warm im Herzen
Wie kann man Winter hassen?
Kalte Luft strömt wie ein Wasserfall in meine Lungen.
Wenn der Schnee schmilzt kommt alles Alte zum Vorschein,
Das neue Grün ist nur eine Wiederholung
Ich ruhe mich aus so lange wie der Winter andauert
Mir ist warm, die Welt schläft.
Ich stehe und kuschele mich fester in die Vertrautheit
Ich werde die Welt nicht wecken
Frühling kann warten
So lange ich mich geborgen und sicher fühle
In meinen Erinnerungen
So weit weg wie ein früheres Leben
Unbekümmertes Lachen der Kindheit,
Unrealistische Einschätzung des Lebens,
Süße Melancholie der Vergangenheit,
So fern wie der Nebel der Galaxien.



Einreicher: Literatur Apotheke ( Jahre)
Autor: Natalia Hohmann
Leseerfahrung: Preisträger-Gedicht
Würdigung der Jury: Die grosse lyrische Kraft ihrer Innenansichten,
die Klarheit im Aufbau und die hervorragend ausgebauten Sprachbilder
haben uns überzeugt.
Quelle: Hildesheimer Lyrik-Wettbewerb 2008, Busplakate