Morgens bei Sonnenaufgang
Morgens bei
Sonnenaufgang

morgens
bei Sonnenaufgang
fang ich den Tau ein,
der sich auf Wiesen
und Sträucher gelegt hat

samtweich
gleiten die Tropfen
von den Halmen
auf meine Haut,
die sie gierig trinkt

kleine Nebelschwaden
lassen mich –
verschluckend –
ins Nichts laufen;
ohne mich
zu erschrecken

sie hüllen mich
zärtlich ein,
um mich
kurze Zeit später
wieder frei zu geben.

die aufgehende Sonne
wandelt sich
vom Rot ins Gelb
und lässt
schillernd leuchtende
Vögel
mit mir sprechen

die Glühwürmchen
machen ihre Lichter
aus;
sie fangen
Sonnenstrahlen ein,
um in der Nacht
wieder leuchten
zu können

meine Augen ? –
groß und weit,
um nichts
zu versäumen;
sie lassen
Wimpern fallen,
um Wünsche
herbei zu pusten



Einreicher: Literatur Apotheke ( Jahre)
Autor: Anja Barton
Leseerfahrung: Preisträger-Gedicht
Würdigung der Jury: Ein poetisch zartes und zugleich starkes Stillleben, absolut stimmig,
wie die Bilder in diesem Gedicht entstehen und vergehen; sehr authentisch.
Quelle: Hildesheimer Lyrik-Wettbewerb 2008, Busplakat