Die Freiheit der Phantasie...
Die Freiheit der Phantasie ist das Leben und das Vergessen des Lebens zugleich – sie ist Verrücktheit.

Um wirklich Leben zu können, mußte ich meine Phantasie verwirklichen. In Wirklichkeit bin ich aber noch nicht frei. Losgelassen hat mich noch nicht, was mich geprägt hat: die Furcht, die Furcht vor Einsamkeit, die Furcht vor dem Versäumen. Die Furcht vor dem Tod. Die Furcht vor dem spurenlos, vor dem unvollkommenen Sterben. Deshalb redete ich immer von der Heimat: Was soll werden? Wie wird es? Wie wäre es, wenn…
Auf die Flügel der Phantasie steigen, sich von dem Leben entfernen, bedeutet Leib und Seele des Augenblickes. Die Besessenheit von der Phantasie aber entleert den Augenblick. Denn in dem Augenblick gibt es Physik, es gibt Mechanik, es gibt Fleisch und Haut und Blut und Adern! Speck, Leib und einen hungrigen Bauch ebenfalls! So gesehen Du bist in der Fremde, ich ebenfalls!



Einreicher: Literatur Apotheke ( Jahre)
Autor: Mostafa Arki
Leseerfahrung: Mostafa Arki, 1951 in Teheran geboren, Architekt, Soziologe, Autor.
Siebzehn Jahre bei Amnesty International aktiv, Mitbegründer des Nds. Flüchtlingsrates.
Mitglied des Iranischen Schriftstellerverbandes.
"Die Vergänglichkeit ist das Werden" schreibt Mostafa Arki in einer seiner Scharareh-Erzählungen
über persische Frauen, die sich als Exiliranerinnen im Kräftespiel von islamischer Erziehung,
persischem Rebellionsdrang und westlicher Freiheit befinden.
Quelle: Die LiteraTour´97 im Hildesheimer Stadtverkehr