Im Anfang war - das Bleibende...

Das Häutchen!
Versah, verhielt mich an ihr,
da sah ich Dinge um sie her
mir bei und nahe kommen. What goes around...

Beim nächsten Mal war ich klüger,
umforschte sie erst.
Das ganze Rund des Himmels ward mir da offenbar,
und nur eines blieb ihr, mir zu zeigen:
die Zeit.
Von da an war die Welt wahr wie sie.
Es war Geist an ihr gefunden.
All-Geist. Welt-Geist.

Nun blieb nur noch,
sie von ihrem Welt-Glück in Kenntnis zu setzen.
Gab sie Zeit, bekam Weisheit.
Des wollt' ich Meister sein,
sie verstand mich da.

Wie sich gründen,
wo seinen Fuß verhalten.
Das handelten wir miteinander aus.
_________

Gab ihr mein Becherchen
lag ihr wie trunken.
Hab ihr so
Erwartung gewunken.
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Kämpften zwei Lichter
miteinand
um Töne.

Meine Freundin sagte:
ich bin jetzt Dein Fernseher.
Sieh Dich vor.

Tatsächlich hat sie mir ziemlich den Kopf entzündet,
man sah es fünf Straßen weit,
wenn ich vor die Tür ging.

Das Bild besserte sich im Frühling.
Sie ließ ihre Strümpfe verschwinden.
Dann trieb sie uns beide aus dem Gehaus, getrennter Wege,
man wollte sich wiedertreffen,
woanders.


Wo's keine Fernseher gibt,
muß man sich nicht okkupieren.

Also, alles Mögliche.

Was kam da bislang so in Betracht?!

So'ne Menschen-Innenwelt
bis in die Ränder der Städte
besteht aus viel Bestell und Behang.

Ich erzählte ihr von alten Heer- und Wanderstraßen, die es noch gibt.
Ach, sagte sie, so pißalleine...

Also, wir können einander ja auch im Draußbild loslassen,
mal sehen, wie's jedem geht in dieser zivilen Welt.
Kamma sich abends zuhaus vielleicht
noch etwas erzählen.

Wer debattiert schon Schlafgefühle.
In solchen Bauten.
Nein aber ich habe aus dem Lagerfinden
eine weltbewußte Gymnastik gemacht.

Da ist so'n Nest manchmal wie'n totes Auge.

Kannte mal welche,
denen waren die Blinker von innen durchgebrannt,
wie einer toten Motte am Kerzenrand.

Denen hilft z.B. kein Augenreiben.

Die hier erklären sich gern
als die-Leute-unter-demselben-Schnee.
Dachgeschichten und so.


Also, Winterfliegen, das ist solch ein Sport extra.
Herzwarm an Schnee und Eis,
warm bis in die Zehen,
voller kühlen, stillen Atems, sternenfrostsüß...

Guck mal,
wie manche Leute mich nicht kriegen,
kann ich geradesogut einem Schwein die Bibel zum Lesen hinhalten.
Das Schwein wird sagen Bmuch mbuch, bsuch such. Undsoweiter.
Es sagt such, weil ein Schweinehals nicht "find" sagen kann.
Also, materialistisch wie das Schwein mit erdfesten Dingen ist,
wird es sagen:
Du hast ein Buch gefunden! Mehr nicht.
So, wie ein Schwein eine Kastanie findet.
Schweine neiden einem sowas nicht
(man überläßt dort sogar gerne),
selbst da, wo man Bücher in ihr Leder band.
Schwein und Buch fanden sich also früher schon,
und nun mein einfach Vortragen eines Buchs einem lebenden Schwein
gibt ein, also, mindest zwiefach Licht in die Situation -
Schweine wissen sehr situationsbewußt zu sein,
welcher Verhalt sich
also seit Dorffehdenzeiten in allerhand Dramatik -

noch ein Scheibchen Schink', Chérie?

Du verstehst:
einem Philosophen
sind die blinden Fresser immer woanders.

Das ist meine moralische Schroth-Kur.
Später wickle ich Dich gerne warm ein.
Denk an auschillende Maden & Käfer,
das Volk.

Also -

Unter DEM Schnee...
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Qui vit
voit des choses.
Qui ne voit rien
ne vit pas.
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Lethe
gab mir Vergessen,
doch gleich fiel mir
ein Nächstes ein.
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Wir konnten
ihnen nichts entgegnen.
Sie dienten
zu niederen Göttern.
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Sagen:
ganze Sachen
die sich wie halbe Sätze anhören.
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Walking on water
I forgot
that rain was coming.
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Habe die Idee
wir seien auf meinem Scheunenboden,
also jenem da,
in meiner frühen Jugend
Erde zum Grund,
Stroh umher,
in einer Weise ahnungslos,
wirklich froh, zu leben,
um so gut wie nichts,
Sonne, gute Luft,
ein paar meinungslose Tiere nebenan.

All dies, was Ihr nun seid,
war da nicht, verstehst Du!
Du selbst warst nicht,
der Krempel um Dich her war nicht,
die Fabrik, die alle Welt am Leben hält,
der Politiker von grad eben...

Aus der reinen Erde meiner kruden Scheune
sah ich den Baum der letztren Zeiten wachsen,
Menschen, Tiere, Werke, alle Dinge,
die erst werden sollten.
Ich hab sie alle gesehen,
gespürt wie sie kamen.

Sie haben mir nicht gefehlt;
fehlte, daß sie mir zuviel wären.

Prometheus, weißt Du,
darf manchmal bitter seufzen über das,
was er nicht ändern kann.


Seid mir gut,
seid ein herzliches Gelächter der Götter wert.

Alsdann brauche ich Euch nicht zu vergessen.
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Vergiß Dich ruhig.
Mir fällst Du doch wieder ein.
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Autor: Leo Hoeninger (67 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers:
Ich bin, das betreffend, keine moralische Natur.
Dinge bei mir sollen nicht etwas,
sie fliegen mir einfach aus der weiteren Zeit zu
und ich notiere sie,
einfach weil sie etwas Ganzes sagen,
ohne in sonstwie meinender Hinsicht etwas sein zu wollen.
Solche Poemata sollen den Geist nur erfrischen
vergleichbar, wie wenn man auf einer Straße
unvermutet einen astralen Jingle hört,
weiß nicht zu sagen, woher.
Quelle: Mnemoria