Du schläfst
Du schläfst

Du schläfst. Die Lippen kindlich eingeknüllt,
Am Laken schief gedrückt. Und atmest. Während
Dein Körper, still und bei sich eingehüllt,
Erschlafft. Von mir, dem Mann, nichts mehr begehrend.

Vertrautes Bild: Ein Säugling hat gebrüllt
Und schlummert nun. Versorgt. An nichts sich kehrend;
Ein kleines Tier, mit Wärme angefüllt.
Ich hüte es, die eigne Ruhe mehrend.

So liegen wir, die abgekämpften Alten.
Verjüngt kommst du mir vor mit einem Schlag.
Als hättst du manchmal mehrere Gestalten.

Dein Atem geht. Ich zähle deine Falten.
Zerbrechlich wie an deinem ersten Tag
Bist du. Die mich so fest im Arm gehalten.



Einreicher: Literatur Apotheke ( Jahre)
Autor: Karl Kirsch

Leseerfahrung: Diese Frage versetzt mich in Verlegenheit: Ich kann begründen, weshalb ich so und nicht anders schreibe, aber nicht, weshalb ich es tue.
Quelle: Hildesheimer Lyrik-Wettbewerb 2014