DIE RÄUME HABEN SICH GEWEITET
ich wohne nicht mehr
unter meinen toten
die räume haben sich geweitet
als ich ging
schlugen türen zu
zwischen den zeilen
befrage ich die eidechsen
nach unschuldigen sommern
mein atem
reicht von hier
bis schlag zwölf meines herzens
ich weiß nicht mehr
wo mein bellen begraben liegt
die nacht verbeißt sich
in ihre gespenster
es wird sich alles
zu tode hoffen und aushärten
sagt mein mörder
aber ich höre
nicht mehr auf ihn


Autor: Vinzenz Fengler (47 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Ich mache mit meinem Schreiben Teile vorhandener Realität sichtbar bzw. setze sie in einen anderen Kontext. Gleichzeitig versuche ich, eine Spur zu meiner eigenen Existenz zu legen, indem ich in meinen Texten meine Handschrift hinterlasse. Die Hauptintention aber ist für mich eine Art Urkränkung: Die Gewissheit, dass ich keine wirklichen Spuren hinterlassen kann. Also ist meine Arbeit eine paradoxe Reaktion. Eine Reaktion aber, gegen die ich mich nicht wehren kann und nicht wehren will.
Quelle: Autor