FRAGE UND ZEICHEN
was dein mund nicht spricht
sagen deine augen
tausend worte gefühlt
zu wenig und rauch zeichen
die du in den raum bläst
und mir zugewandt
deine haltung urvertrauend
die ich lese wie ein buch
sprichst du zwischen
den zeilen stehen antworten
manchmal sehe ich dich
stolpern über meine worte
das schweigen zwischen
zwei schlucken wein
haben wir abgesprochen
mitwissend gehen wir
die konstellationen durch
halb dick halb dünn
der boden unter den füßen
geschwisterlich geteilt worte
getauscht sonst nichts
von belang war anderes
zwischen uns am ende
der umarmung bedeutungen
die im raum standen namen
deiner und meiner wie frage
und zeichen doppel und punkt


Autor: Vinzenz Fengler (47 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Ich mache mit meinem Schreiben Teile vorhandener Realität sichtbar bzw. setze sie in einen anderen Kontext. Gleichzeitig versuche ich, eine Spur zu meiner eigenen Existenz zu legen, indem ich in meinen Texten meine Handschrift hinterlasse. Die Hauptintention aber ist für mich eine Art Urkränkung: Die Gewissheit, dass ich keine wirklichen Spuren hinterlassen kann. Also ist meine Arbeit eine paradoxe Reaktion. Eine Reaktion aber, gegen die ich mich nicht wehren kann und nicht wehren will.
Quelle: Der Autor selbst