Fern von mir
Fern von mir


Der Raum ist durch die Liebe lichtgeflutet:
Man kann die leichten leisen Schritte hören,
Sie könnten selbst den kalten Stein betören.
Was haben wir uns alles zugemutet!

Die rote Rose möchte dich beschwören:
Sie ist aus meinem Herzen ausgeblutet;
Gestalt geworden ist sie unvermutet!
Was wäre denn, wenn wir uns doch verlören?

Ich stehe still: Ich kann die Wärme spüren,
Die von dir kam. Als Ahnung schwebt sie hier
Im Raum: Ich kann sie fühlen und berühren.

Die Rose wäre dir die schönste Zier!
Sie würde dich zu einer Göttin küren:
Du bist und bleibst verborgen – fern von mir.


Autor: Walther Stonet (61 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Lyrik ist für mich Mittel zum Nachsinnen über Erlebtes, Erspürtes, Gefühltes - dabei ist bei mir das LyrIch oder Protagonist nicht personenidentisch mit dem Autor. Diese Ablösung vom Ich ist m.E. nötig, um Texte zu bewerkstelligen, die über den Tag hinausweisen.
Wie das vorherige Gedicht gehört diese Sonett zum Fundus des Dritten Buches meiner Sonette, an der ich gerade arbeite. Es ist ein traditionell geformtes deutsches Sonett, wobei das strenge Reimschema verwendet wird, das auch von Platen und Schlegel sowie Geothe verwendet haben.
Hier ist das dialogische Element durch eine Gegenüberstellung von Innen- und Außenwelt umgesetzt. In der Tat ist der Anlaß zu diesem Gedicht - ein leerer Raum, eine Böe, ein Klirren - noch in den Versen nachleuchtend. Der Reiz gab Anlaß zu einer Reflexion über die Liebe und den Verlust derselben - und das Schicksal und die schmerzliche Wahrheit, oft erst nach dem Abschied den "Wert", die "Bedeutung" der anderen Person zu erkennen.
Quelle: