Fränkischer Sommer
Fränkischer Sommer


Das sind die wunschlosen Tage
Wenn unter der Julisonne
das Drachentier schläft,
wenn Stein und Erde rissig werden,
fühlbar,
greifbar,
wie eine vertraute Haut.

Wenn die Holunderbüsche,
die winters so trostlos starrten,
als käme kein Sommer mehr,
wenn die Holunderbüsche
ihr strotzendes Grün
über bröckelnde Mauern hinweg
still in die Sonne halten.

Manchmal öffnet sich dann
leise knarrend
das schiefe Hoftor vergessener Sommer.

Ein Kind steht am Zaun,
in der Schürzentasche den starken Geruch
einer Holunderblüte
und Erdkrumen zwischen den Zehen.

Das Drachentier blinzelt ins Licht,
dehnt die rissige Haut
und schläft wieder ein.

Das sind die wunschlosen Tage



Einreicher: Literatur Apotheke ( Jahre)
Autor: Dagmar Scherf

Leseerfahrung: Es ist mein Lebens-Mittel. Ausdruck und Vertiefung meines Welt- und Ichbezugs.
Quelle: Hildesheimer Lyrik-Wettbewerb 2014