Wenn die Seele träumt
Anfangs reicht sie weit
Und wir verschwenden zu zweit
Die kostbare Zeit

Vom Wir zu mir, das ist nicht leicht. Du bist immer noch überall und trotzdem nicht mehr hier. Selbst in meinen Träumen spüre ich Einsamkeit Angst und Hilflosigkeit. Dann glaube ich sogar, wachsende Feindseligkeit wahrzunehmen, selbst in meiner leblosen Umwelt. Wenn urplötzlich an den mir wohlbekannten Straßenzügen meiner Stadt, riesige abstoßend graue Ruinen-Häuser mit bedrohlich finsteren Fensterhöhlen emporwachsen. Die mir wie eine feindliche Phalanx den Weg versperren. Sobald ich mich umdrehe und eine andere Richtung einschlagen will, um davonzukommen, sind auch diese Häuser zu furchteinflößenden Ruinen und damit zu einer tödlichen Gefahr geworden. Ich fühle mich umzingelt! Nach so einer Nacht, mit derart verstörenden Träumen bin ich am Morgen erschöpft und verstört. Dann gelingt es mir nur mit großer Mühe, aufzustehen. Der Tag danach ist düster und trostlos. Und dann bewegt mich immer wieder die gleiche Frage: „Wofür soll ich überhaupt aufstehen?“ Nichts würde sich ändern, wenn ich einfach liegen bliebe. So ist mein Leben, seit Du nicht mehr in meiner Welt bist. Natürlich weiß ich, dass Du nicht gehen wolltest, sondern musstest. Trotzdem! Obwohl wir wussten dieser Tag würde kommen, verdrängten wir die lähmende Angst vor der Unabwendbarkeit. Und rangen erbittert um jede Minute gemeinsamer Zeit. Es war unsäglich schmerzvoll, loszulassen.

Und verzweifelte Fragen, sie verwehen im Wind.
Weil Antworten auf Erden nicht möglich sind.

Manchmal habe ich diese besonderen Träume, in denen alles so ist, wie es einmal war. Dann kann ich nach dem Erwachen noch Deine Nähe spüren. So, als wärst Du in diesem Moment vorbeigegangen, füllen besondere Schwingungen den Raum. Sie verdrängen die trostlose Leere.
Wie die Seele in großer Düsternis von der aufgehenden Sonne träumt, so träume ich von Dir.
Denn Du bist mein Stern
Zwar nicht jederzeit sichtbar
Doch nie wirklich fern

Es war ein sehr langer Abschied, den wir nehmen mussten – oder durften. Doch gab er insgeheim unseren Seelen Hoffnung und Träume zurück. Ohne jegliche Scheu konnten wir unser Innerstes offenlegen. Dieses schrankenlose Geben und Nehmen war wie ein “Sichverlieren“ in einer Fülle von Gefühlen. Wir offenbarten unsere geheimsten Gedanken lebten gleichzeitig in einem Kokon aus hilfloser Angst und grenzenloser Liebe. Und Du warst in dieser aufwühlenden Zeit bewundernswert stark und selbstlos. Das war wie ein Segen für mich. Es gab mir die notwendige Kraft in jener Zeit. Dafür werde ich Dir ewig dankbar sein. Wenn der Schmerz unerträglich wird, dann spüre ich Deiner letzten Umarmung nach und fühle, Du bist ganz nah und doch so fern.
Geblieben sind Erinnerungen - schmerzlich und kostbar zugleich.

Und eine Melodie
Sehr fern und ganz leise
Sie klingt so vertraut
Als wär`s unsere Weise


Autor: Hannelore Bracksiek (67 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Meine Motivation

Auf der Suche nach dem „Bleibenden“ begann ich,
Gedanken zu formulieren und Gefühle in Worte zu fassen!

Quelle: Kopfarbeit