Schaf

Schaf

Verdammte Kacke. Es ist vollkommen unmöglich. Doch nicht ich. Was ein verfluchter Mist. DAS KANN DOCH NICHT SEIN.
Ok.
Ich bin verliebt.
Liebe ist, wenn Schmetterlinge dein bauchiges Innenleben durcheinander bringen. Wenn dir jeder Käfer, wie das prachtvollste Geschöpf Gottes erscheint und du als beschränktes Honigkuchenpferd deine Mitmenschen zum Kopfschütteln bringst.
Ich gehörte bisher zu der Fraktion der Kopfschüttler. Der Käferzertreter. Und mir fehlte nichts. Das Wort Glück ist viel zu sehr von irgendwelchen kitschigen Definitionsversuchen abgegriffen, aber ich wage es, mich als glücklich zu bezeichnen.
Jeder Verliebte hatte vor seiner einseitigen (ich weiß nicht, ob als weiteres Adjektiv „beschränkt“ angebracht ist) Wahrnehmung, ein Leben. Etwas, was er voll und ganz besaß. Worüber er ansatzweise Kontrolle hatte.
Was bringt uns dazu, das aufzugeben? Unseren Besitz zu teilen? Die Kontrolle zu verlieren?
Es blieb mir unverständlich. Es bleibt mir unverständlich. Es ist unverständlich.
Vielleicht schätzen wir diese Unverständlichkeit. Die Ungewissheit. Es ist aufregend. Es ist neu. Es ist anders.
Es gibt Momente, da teile ich diese Auffassung. Von dem Zauber der Liebe. Die Welt erscheint mir friedlich. Der Himmel blauer. Mein Spiegelbild weniger beängstigend. Das sind meine Schafmomente. Allein dafür lohnt es sich. Manchmal mutiere ich jedoch auch zum Stier. Dann macht mich alles Rote aggressiv. Dann machen mich rote Herzen aggressiv.
Schaf und Stier mögen einander nicht. Stiere sind stärker. Doch Schafe bringen einen zum Träumen. Und Träumen kann niemand etwas anhaben.
Und ja, vielleicht bist du mein Traum. Als Schaf komme ich nicht drumherum so zu denken. Aber, was soll man als Schaf tun, wenn man ein Schaf ist, was nun mal tut, was ein Schaf tut? Und warum, soll man ein Traum nicht träumen, wenn die Bedingung, um nicht zu träumen, das aufwachen wäre?





Autor: Julia Tischbirek (16 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Siehe, erste Einreichung
Quelle: