In einem fernen Land

Wäre es zu denken
Man will ein Land besuchen
Löst sich ein Ticket
Packt auch die Karte ein
Doch an der Grenze
Heißt es dann
Sie sind hier falsch
Oder zu spät

Wäre es zu denken
Man will nach Hause gehen
Ein Foto im Gepäck
Und einen alten Brief
Mit der Adresse
Doch an den Straßenschildern
Andre Zahlen
Und alle tönen
Es war einmal

Wäre es zu denken
Man findet Heimat nur noch in den Büchern
In alten Liedern
Die keiner hört
Auf Zelluloid
Verrotten Bilder
Von nie gekannten Landsleuten
Und ihre Ideale
Allesamt getilgt

Wäre es zu denken
Man will ein Kind gebären
Im selben Haus
In dem man selbst ankam
Die Laken hergerichtet
Das Wasser abgekocht
Das Kind ist da
Aber in seinem Pass
Ein andres Land

Wäre es zu denken
Man will komplett sein
Rechtskräftig, gültig
Mit Karte und Tradition
Doch in Gesichtern keine Wurzeln
Sie bröckeln ab
Wie ihre Häuser


Autor: Anastasia Pastuchov (33 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Wie sonst, wenn nicht schreibend soll man das Jetzt oder die sich ansammelnde Geschichte begreifen?
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