Erinnerung. Ein Fragment
Das weiße Fohlen sinkt ins Gras. Es schüttelt seine Mähne. Die Wiese ist nass. Vom Fell und vom Gras fliegen die Tropfen auf, verwirbeln sich. Das Mädchen schließt seinen Koffer. Bevor es aus der Stube in den Gang tritt, wischt es den Staub vom schwarzen Lack der Schuhe und zieht die wollenen Strümpfe straff. Langsam zieht er die Vorhänge zu und verlässt das Zimmer. Bring mich ins Bett, sagt Ellen. Das schwarze Auto verlässt das Grundstück und taucht in den Nebel. Der Kies knirscht noch. Der Pförtner schließt die Tore. Das Fohlen bläht die Nüstern. Das Mädchen hebt den Koffer an und geht über den gebohnerten Gang. Draußen fegen die Kinder in grünen Mänteln das Laub zusammen. Der Direktor unterschreibt das Dokument. Seine Sekretärin beeilt sich, den Durchschlag abzuheften. Der Direktor legt den Stift beiseite und tritt ans Fenster. Ein Kind schleift den Besen über den Platz. In der Tür erscheint das Mädchen. Komm herein, spricht die Sekretärin, mit dem Ordner noch in der Hand. Bitte setz Dich, sagt der Direktor und wendet sich vom Fenster ab. Ellen umschließt den Nacken ihres Mannes. Die Tropfen ihres Schweißes rollen von seinem Hals. Er trägt sie über den Flur und öffnet die Tür. Bitte setz Dich, sagt der Direktor und dreht sich zu dem Mädchen. Draußen ergreift ein Kind ein Blatt und legt es auf das Laub. Das Mädchen überschreitet die Schwelle. Vor dem Tisch stellt es den Koffer ab. Die Sekretärin reicht dem Kind ein Glas mit aufgebrühter Minze. Ellen schließt die Wohnungstür und streift ihren Mantel ab. Vom Mantel tropft der Regen. Auf dem Boden sammelt sich eine Pfütze. Er eilt ihr entgegen. Was haben sie Dir erzählt? Der Regen rinnt von der Scheibe. Die Straße glänzt. Das Mädchen schaut über die Felder, über die Wiesen. Ins Gras taucht das Fohlen. Das Mädchen trinkt den heißen Tee und schaut auf den Stift. Der Direktor setzt sich an den Tisch, faltet seine Hände. Nun wirst Du uns verlassen. Im Nachthemd steht sie vor ihm. Bring mich ins Bett, bitte. Der Pförtner schließt die Tore und der Kies knirscht noch. Die Kinder bringen die Geräte in den Schuppen, eilen ins Haus. Das schwarze Auto taucht in den Nebel. Auf dem Flur liegt das schwarze Kleid. Er berührt ihre Stirn und die Stirn ist heiß. Das Mädchen wischt den Staub von den Schuhen und zieht die weißen Strümpfe straff. Es geht über den glänzenden Flur mit dem grünen Koffer in der Hand. Aus dem Regal zieht die Sekretärin einen Ordner. Der Direktor unterschreibt das Dokument und reicht ihr den Durchschlag. Der Regen fließt von der Scheibe. Ellen umschließt den Nacken ihres Mannes, legt ihren Kopf an seine Schulter. Was haben sie Dir erzählt?, fragt er sie und wischt ihr den Schweiß von der Stirn. Er trägt Ellen über den Flur ins Schlafzimmer, bettet sie, verdunkelt das Zimmer. Die lange, gerade Straße bleibt leer. Hinten, im grauen Dunkel der Wiesen, erblickt Ellen ein weißes Fohlen. Das Fohlen sinkt ins Gras und schüttelt seine Mähne. Lautlos verschwindet der Wagen im Nebel.


Autor: Olav Amende (33 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Dieser Text ist eine Einladung zu einem Spaziergang auf schemenhaften Wegen, zu einem Dialog zwischen den Zeilen.
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