Du sagst Du liebst mich doch
Du sagst Du liebst mich doch
ich liege allein im Bett
warte auf Dich
Du schleichst herein
legst Dich neben mich als sei nichts geschehn
fremder Geruch umgibt Dich

Du sagst Du liebst mich doch
ein roter Abdruck auf Deiner Wange
scheinbar unschuldig
säht Zweifel
schreit mir die Wahrheit entgegen
dieses verräterrische Miststück

Du sagst Du liebst mich doch
Du schaust mich an
ein freundliches Lächeln auf den Lippen
aber nicht für mich
nur noch eine leere Hülse
so nah und doch so fern

Du sagst Du liebst mich doch
Du gehst neben mir
hälst meine Hand
eine vertraute Geste
nur noch Gewohnheit
die uns verbindet

Du sagst Du liebst mich doch
Du gehst allein ins Bett
wartest auf mich
ich schleiche leise herein
Du liegst still neben mir
ein abweisender Geruch umgibt Dich

Du sagst Du liebst mich doch
aus einem roten Abdruck auf meiner Wange
machst Du eine Sünde
siehst Gespenster
schreist mir still Zweifel entgegen
wie schleichendes Gift

Du sagst Du liebst mich doch
Du schaust mich nicht an
ein gequältes Lächeln auf Deinen Lippen
bist unerreichbar für mich
nur noch eine leere Hülse
so nah und doch so fern

Du sagst Du liebst mich doch
Du gehst neben mir
mit lebloser Hand
eine traurige Geste
nur noch Gewohnheit
die uns verbindet

Du sagst Du liebst mich doch
zwischen den Zeilen
sprichst Du eine andere Sprache.


Autor: Elli Bunt (40 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: In nahen Beziehungen kann es besonders schwierig sein, über die Dinge zu sprechen, die einen bewegen. Gründe können sein Zeitmangel, Gewohnheit, Harmoniebedürfnis, Angst vor Zurückweisung. Jeder macht sich seine eigenen Gedanken, man lebt sich auseinander, es kommt zu Missverständnissen und Irritationen, die den Entfremdungsprozess weiter voran treiben. „Ich liebe Dich“ bleibt dann ein verzweifelter Rettungsversuch, wenn die kleinen Gesten des Alltags andere Signale senden.
Quelle: Elli Bunt