der liebe dornen
Der liebe dornen

Dies ist eine liebesgeschichte, wie es heißt, die geschichte von liebenden, im vorliegenden falle von zweien. Das ist zum einen jener romeo, der heinrich gierig heißt, und zum andern, die schöne, gute, die fabelhafte, die mit ihrem Blick die lüsternen herzen der männer entfacht, dass sie von ihr, der erika begehrenswert, so seltsam abgestoßen sind und angezogen.
Der gierig weiß um erika begehrenswert, dass sie männern den kopf verdreht mit ihrem charme. Arbeitet sie doch im kaufhausladen, in einer abteilung für kosmetik und preist produkte an, natürlich mit ihrer ganzen pracht und schönheit, und verheißt damit den anderen damen, wie schlicht sie sind und dass, wollten sie begehret sein, die fingernägel brauchten, die künstlichen, die wimpern, die unechten, die strähnen, die gekünstelten. Makeup, das die runzligkeit der alten tage überstreichen soll, weggewischt die furchen, schluchten, hautgebirge, liderkrater, als hielte sich das leben selbst in klammern. diese schönheitsutensilien, diese weichen schönmacher, verheissen alles, und erika verkauft, was sie nicht braucht wie eine trödlerin.
So glänzt erika mit ihrer ganzen pracht hinüber zu gierig, der auch heinrich heißt, mit buntem gefieder lässt sie sein herz in höhern lagen singen. Gierig ist ein mann, die worte grob wie seine hände, flüstert ihr steine ins ohr, die ihren schönen geist auch durch scharfkantiges geschabe nicht schmälern. Er ist ein balzakrobat, der gierig, aber ohne sinn für ästhetik, ein akrobat mit verrenkten gliedern, der seine form der akrobatie zu seiner persönlichen kunst erhoben hat und eingebildet ist darauf, als gings um seine meisterwürde. So schiebt er ihr, der ungelenk angebeteten, der mit schiefen worten flehentlich erbetenen, zettelchen entgegen mit worten schön wie welke blumen.
Da gibt es nun ein versprechen von erika begehrenswert, in einer stillen stunde, fragt sie, mit einem zettelchen, hast du zeit, den gierig, heinrich. der zettel, hm, bunt wie ein schmetterling, angehaucht von einem duft der liebe, süß und wolkig, so wie rosen schmecken mögen, betört den gierig, der wie ein fels nach unten nur eine richtung kennt, in die er rennt. Gierig ist unbeirrter thor, blitz in der wolkenlandschaft, ein fluss ohne mündung, verhakt sich schnell im strom der liebesstrudel.
So treffen sich die beiden nach arbeitsschluss, der gierig bedeutet ihr, zu ihr zu kommen, in die deckung, was das soll, eine überraschung. Und als die erika begehrenswert dies merkt, was gierig ausgeheckt, die manneskraft sichtbar vom zaume befreit, da schreit sie laut und flieht. Das hat der gierig schlecht gemacht, da packt er ein, die würde, seinen stolz, der im dunklen vor scham verkümmert, und fragt sich, was hat er falsch gemacht in seinem wahn.


Autor: andreas stöger (47 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: wollte was einzigartiges schaffen
Quelle: ich