Humanistisches Manifest
Humanistisches Manifest

Im Hirntresor
die harte Währung der Worte
während zwei Kranichkeile
über der Stadt mäandern
ihre heiseren Schreie
mit sich fort führend
unverständlich - nach Süden

Uns Erdbodenmenschen
für Sekunden stutzen lassen -
heute lese ich mir selbst eine Messe:
die Kluft zwischen Kranich und Mensch
verhält sich zur Kluft
zwischen arm und reich
wie die Sehnsucht zur Wirklichkeit
wie das Fliegen zum Untergehn ...
wie das Klischee zum Original

Und du zitiertest Walt Whitman
»Gib mir ein Feld, auf dem ungemähtes Gras wächst«
dass wir nicht erblicken, was wir voraussehn
dass wir nicht erkranken an der Unheiligkeit
mit den Köpfen in der Cloud statt wie
ehedem in den Wolken

Es gibt kein Verhältnis
las ich am heiligen Firmament
zwischen solchen Extremen
es gibt immer noch Reiche, aber keine
reichen Menschen mehr
weil heutzutage
Menschsein und Reichtum
sich vollkommen ausschließen



Einreicher: Literatur Apotheke ( Jahre)
Autor: Klaus Servene

Leseerfahrung: Man schwimmt und erreicht kein Land. Da freut es einen schon, wenn man eine Boje sieht. Man wird sich an ihr festhalten wollen, um innezuhalten, etwas auszuruhen. So ging und geht es mir schon seit meiner Schülerzeit mit Lyrik.
Quelle: Hildesheimer Lyrik-Wettbewerb 2014