Schritte
schimmernde Flügel ruhen warm am Körper
das Dunkel senkt sich mit dem Himmel herab
hinauf in den Wind möcht ich fliehen
der lullenden Schwärze entrinnen

und auf die Welt kommen
du hast mir alles zur Verfügung gestellt
festen Stoff, Bande, und was damit so passiert
aber ich kreise und kreise, blind für jedes Land

sind meine Beine zu kurz? hab ich vergessen sie anzuziehen?
sind meine Flügel zu eifrig?
im Wind, der so Schillerndes verspricht
ich drehe Kreise seit Jahrzehnten

möcht meine eigenen Hände nehmen und mir das Laufen beibringen:

hier, siehst du, ein Schritt - erst der eine Fuß, das ist wichtig, vergiss alles andere - gut machst du das! - jetzt der zweite Fuß, setz ihn ein Stückchen weiter vorne auf dem Boden ab - genau so, fühlst du den Grund unter der Sohle? - die Welt trägt dich und bietet dir Platz, soviel du brauchst - denn genau hier sollst du sein, wachsen und gedeihen - den Stoff fühlen, mit Formen spielen - Wurzeln schlagen, Früchte tragen - austreiben, einverleiben - DAFÜR BIST DU HIER!

sagt mein Verstand zu mir

zitternd lehne ich ab, im Fieber, ich sollte, ich müsste, denn dafür bin ich hier, nur dafür bin ich hier..

Dafür bin ich hier.

aber wie ein verstoßenes Tier

Will ich nur zurück zu Dir.


(Schritte, März 2016)



Autor: Yara Flores Franz (39 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Das Gedicht thematisiert auf eher intuitive Weise die Schwierigkeit, in der materiellen Welt Fuß zu fassen.
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