Unfähiger Meister
ein Hier und Jetzt
ein Dort und Dann
im Traum ein Tier verletzt
das ich nicht retten kann

hohler Magen in der Senke, stumme Pein
der Hals hallt mit Geheul ohne Ton, meine Augen schreien

nicht Widerwort, nicht Fürwort
in meinem Herz ein Ehrenwort

Lieblos, lass die Liebe los
übers Land

Horror vor Lähmung, aber ich beweg mich doch fast nicht
und obwohl ich nichts außer denken kann vergiftet es mich

zu milde Prügel ist die Strafe, der Lohn raue Streichelei
bin ein unfähiger Meister meinem Ich-Kind - bittebitte verzeih!

ich bin der unfähige Meister
eifrig halbherzig

Gott hat nichts bestimmt
Gott hat nichts verboten
zieht an meinen Fäden
und ihr festigt nur die Knoten

ich bin der unfähige Meister
ich bin der unfähige Meister

setz dein Licht gegen mich ein, bitte
brenne mich aus der Perfektion heraus, bitte
ich will golden oder weg sein, bitte

im Traum ein Tier verletzt
das ich nie retten kann


(Unfähiger Meister, November 2016)


Autor: Yara Flores Franz (39 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Dieses Gedicht macht einen wiederkehrenden Traum zum Thema und greift so auch ins Unbewusste. Es ist sehr ehrlich und offen und ist eines meiner liebsten eigenen Gedichte.
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