Sein und Schein
Sein und Schein. Ein Kontrast. Ein so starker Gegensatz. Sein und Schein.
Eine von der Wirtschaft abhängige Gesellschaft. Geld, Macht, Gewinn. Gewinn hier, Gewinn da.
Und was haben wir am Ende davon? Am Ende verlieren wir. Verlieren uns. Verlernen das Mensch sein.
Vergleichen. Vergleichen uns mit einer Horde Bohnenstangen oder aufgepumpten Menschen, die über unsere Bildschirme jagen und ein Schönheitsideal symbolisieren sollen.
Ein Klick und schon sind sie da. Aus dem Nichts hervorgezaubert. In unsere Köpfe eingebrannt. Ein Mahnmal unseres eigenen Versagens.
Wer sind wir? Wer sind wir, dass wir uns vorschreiben lassen wer wir zu sein haben? Uns formen lassen? Wann haben wir angefangen uns für das Mensch sein zu schämen?
Ein bisschen weniger hiervon, ein bisschen mehr davon. Und schon passen wir in die Form. Die vorgegebene Form unserer Gesellschaft.
Laufen wir über, wird etwas vom Rand abgekratzt. Ein Teil von uns. Ein Teil von uns, der nicht in die Form hineinpasst.
Geld, Macht, Gewinn. Ruhm.
Haben wir es vergessen? Unsere eigenen Möglichkeiten aus den Augen verloren? Unsere Individualität? Unsere als von der Gesellschaft abgestempelten Fehler und Makel?
Wo ist es? Wo steht dieses Buch, dieser Text, der uns vorgibt, das Menschsein zu verlernen? Wo sind die Formen die wir füllen müssen? Woher kommen sie?
Plötzlich stehen wir da. Am Ende unseres Lebens. Schauen auf unsere Form herab. Und wünschen uns mehr zu sein. Mehr als das. Etwas zu hinterlassen. Einen Teil von uns.
Doch dann ist es zu spät. Dann erkennt man uns nicht mehr. Kann man unsere Form nicht mehr zuordnen, weil sie sich von keiner der anderen unterscheidet.
Ändert es. Ändert es, bevor es soweit ist.
Seit ihr selbst und lasst euch nicht vom Rand abkratzen.
Lernt es wieder. Lernt das Mensch sein. Genießt die Momente, die euch den Atem rauben. Denn genau die sind es, die uns alles schenken können.
Knüpft ein enges Band der Freundschaft. Der Liebe. Ein Band gehalten von der Macht eurer Individualität.
Verlieren. Ohne zu verlieren.
Traut euch. Traut euch ihr selbst zu sein. Ihr selbst in einer Welt voller Normen und Vorschriften.
Und dann blickt zurück. Erst dann blickt zurück. Auf ein Leben voller Ideen. Überraschungen.
Und dann; ganz langsam seht ihr es. Die Form unter tausenden. Die eine Form, die langsam verschwindet. Euch freilässt. Euer Sein.
Und andere Formen in eurer Nähe berührt. Eine Welle der Berührungen. Ein bunter; außergewöhnlicher Fleck inmitten von Gleichheit. Ein Mahnmal. Ein Zeichen des Mutes.
Des Mutes einer einzelnen Person, die es schafft, etwas zu verändern.
So hart die Form auch ist. So stark die Form auch ist.
Wir sind stärker. Sind mutiger.
Dürfen wieder Mensch sein.



Autor: Anna-Lena Brandt (24 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Meine Motivation für diesen Text besteht darin, die Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Sie wachzurütteln, sodass sie ihr Handeln überdenken.
Sie mit meinen Texten zu erreichen. Sie sollen wieder lernen zu lieben. Sich zu lieben und sich nicht ständig mit anderen vergleichen,
sondern ihre Ecken und Kanten hinnehmen und sie vielleicht sogar als etwas ganz besonderes zu betrachten.
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