Erinnerung
Bevor ich’s fassen kann, bist du schon weg
In einer Kopfdrehung, in der Fassade eines Wohnhauses, im Wind, der eine entfernte nicht enträtselte Note trägt, deutest du dich nur aufwühlend an
Und ich kann dir nicht die Schuld dafür geben
Denn wir wissen beide nicht genau
Ob du mich aufsuchst oder ich selbst dich heraufbeschwöre

Ich würde gern eine Sekunde zurücktreten
Aber in meinem Fußabdruck bist du nicht mehr
Sondern nur eine Fläche, die unabhängig von mir existiert, in die ich nicht eingeschrieben bin
Ich beschreite sie mit einem Gefühl, etwas unsagbar Wichtiges schon zum zweiten Mal verloren zu haben

Durch mich nur bist du in der Welt
Doch du verschmähst mich, verweigerst dich, glaubst dich in deiner Dimension sicher konserviert und eingekapselt vor den Veränderungen an mir
Weißt du denn genau, ob deine Existenz vor dem Verschwinden meiner bewahrt werden kann?

Mit jeder Zelle und Haarwurzel hoffe ich es
Denn dann wäre es zumindest theoretisch möglich, in deine gewichtslose Welt zu gelangen, die nur Gerüche kennt und Rhythmen
Die Straßen meiner wandere ich in der Hoffnung auf deine Unvorsichtigkeit, wenn du mich streifst im Wind, in Eiskristallen oder Pfützen


Autor: Anastasia Pastuchov (33 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Manchmal kommen zusammen mit bestimmten Gefühlen auch die richtigen Worte. Ich hoffe in solchen Momenten aufmerksam genug zu sein, um sie richtig zu fixieren.
Quelle: Autor