Zwischen den Scheiben


Zwischen den Scheiben
Wenn im Bus oder in der Straßenbahn
die Fenster beschlagen waren,
wenn Tropfentränen
herunter rannen,
stand bisweilen einer auf,
den sie den Schreiber nannten,
sonst den Verrückten von der Straba,
und der schrieb mit dem Zeigefinger
seine Gedichte auf das Glas.
Er machte keinen Pieps,
schrieb Scheibe für Scheibe voll,
die hinter ihm zerfloss.
Die Hausfrauen haben geglotzt,
und die Schulmädchen gekichert.
Es liebten ihn die Kinder und
die Sanftmütigen und Zeitlosen.
Einer, der es genau wissen wollte,
soll die Sachen gelesen haben.
War angeblich wirres Zeug,
rückwärts geschrieben.
Den Strabadichter gibt’s nicht mehr hier,
sie haben ihn abgeholt, sagt man.
Bestimmt schreibt er woanders,
seine Regengedichte.


Autor: Michael Wenzel (47 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Freude am Formulieren
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