Herzkraut
Herzkraut

Als ich unlängst auszog
nicht frei
nicht willig
aus meiner Wohnung
Herzheimat
jahrauf
jahrab

blieben
die Gefährten meines Alltags
zurück
Bett, Bild und Lehnstuhl
aufgetürmt
am Straßenrand
im gnädigen Abendrot

über die Schwelle
des neuen Heims
das keins werden wird
schlich auch die Gewissheit
nur einmal noch
getragen zu werden
mit den Füßen voraus

im fremden Zimmer
ein Fenster
Lichtgeviert
Einlass
für Hoffnung
vielleicht
und den Atemzug Dankbarkeit

im Regal
meine Bücher
geben nicht auf
erzählen
die alten Geschichten
Herzkraut
vergeht nicht



Einreicher: Literatur Apotheke ( Jahre)
Autor: Christiane Röper

Leseerfahrung: Ich schreibe, um zu erzählen, zu erheitern, nachdenklich zu stimmen, zu ermutigen, zu inspirieren, zu erinnern, zu vergessen, zu trauern, zu heilen, zu wachsen, das Leben in Worte zu fassen, es mit-teilbar zu machen; ich schreibe, um mir nahe zu sein und um andere zu erreichen: Wenn ich schreibe, fühle ich mich lebendig.
Quelle: Hildesheimer Lyrik-Wettbewerb 2014