Ja, ich sah ihn
Ja, ich sah ihn


Ja, ich sah ihn
auf dem Weg nach Bethseda
in seinem schwarzen BMW
Andreas war bei ihm und Johannes
er fuhr langsam
mit offenen Fenstern
Frauen und Männer kamen um ihm zu danken
es war ein Licht um ihn und Stille

Ja, ich sah ihn
er stand an der Imbißstube bei Wertheim
er aß eine Currywurst,
sein Blick war klar
er hatte die Haare aus der Stirn
Magda war an seine Schulter gelehnt
er sprach mit ihr, leise,
ich hörte den Asphalt atmen
die Neonröhren waren dunkel
gemessen an seinen Augen
ich verstand nichts,
doch da war auf einmal ein Läuten
und das Kaufhaus wurde zum Tempel
und die Erde betete

Ja, ich sah ihn
er fuhr mit der U-Bahn nach Golgatha,
allein in die dunklen Schächte,
das Labyrinth
seine Hände bluteten,
seine Augen brannten
die Nacht umarmte ihn, barmherzig
er ist Fleisch,
er ist Geist
Töchter Jerusalems und Berlins versteht ihr
er ist wie du,
ihn dürstet
eine Nachtigall im Winter


Autor: Hans Jorg Stahlschmidt (68 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Das Sakrale existiert ueberall...es ist eine Frage der Aufmerksamkeit.
Quelle: Der Autor selbst