Durst
Durst


Im Zwielicht der Krankenhaus-Nacht tasten
deine Hände im Vakuum,
kalt sind sie mit dichtem Venengeflecht,
beide Sicherheitsgitter hochgeklappt
wie im Kinderbett
Durst, sagst du immer wieder,
ich bin so durstig.

Du wirst zum Mund
alle Vitalität in den Lippen
dein ganzer Körper saugt
der weisse Strohhalm wie eine Plastik-
Nabel-Schnur zum letzten Ozean.

Jetzt habe ich soviel Geduld,
sonst immer im Kopf der Zeit voraus
jetzt sitze ich still,
auf dem Gerüst vor dem Fenster
hämmern die Handwerker:
ihr Alltag ist so fest,
hier drinnen bröckelt alle Beständigkeit:

dein Atem röchelnd wie unter Wasser
deine Brust ein gefangener Fisch
schwingt im Kelp-Wald
die letzten Lichtfinger einer fernen
Sonne greifen dich
und dann lassen sie los.


Autor: Hans Jorg Stahlschmidt (68 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Die Welt zu illuminieren...
Quelle: Autor