NOVEMBERS FRÜHLING
ich weiß noch nicht, was ich dann davon halten soll.
da sind diese unwahrscheinlichkeitsverstärker,
die mich nicht glauben lassen, dass das alles passiert.

aber wir ziehen einfach unsere roten männerschuhe an
und treffen uns zum sektfrühstück im szimpla
– alles simpel, alles gut –
die limette auf dem boden unterm tisch ist schon
ausgetrocknet, wahrscheinlich von gestern abend,
wir bemerken sie nicht
es ist frühling im november.

es ist novembers frühling
wenn alle ihn wieder lieben diesen monat
wenn keiner sich mehr grämt, in ihm zu träumen
draußen in cafés zu sitzen
er fühlt sich richtig gut, geliebt von allen seiten
er fühlt sich wie marco und peggy, die eines von diesen
liebesschlössern an der elsenbrücke angebracht haben
aber da sind gar keine anderen von der sorte,
also gar keine
das ist dann wieder seltsam und sorgt für unmut
aber sie schaffen das, es steht doch da
also schaffen die das
ist doch klar, super, wir haben immerhin pläne gemacht.

ich weiß also noch nicht, was ich davon dann halten soll,
da sind immer noch unwahrscheinlichkeitsverstärker,
die mich nicht glauben lassen, was alles passiert.

ps. aber morgen fängt alles an. das haben wir uns im kalender auch schon angekreuzt.


Autor: Martina Krafczyk (27 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Der Tag vor dem ersten Arbeitstag im neuen Job; Frühlingsgefühle im November.
Quelle: www.herzrasenundtollwiesen.wordpress.com