Schwerer Gang
Bedrohlich, düster ragt steinernes Gemäuer auf.
Reckt die spitzen Klauen nach dem Häuptern kahler Riesen,
durchbricht das Dach, hinein ins graue Zelt.
Und eisig heult der Wind.

Herein! Herein! Nur näher! Herein!
Der weite Schlund lockt lieblich flüsternd.
Schwere Schritte, leerer Geist,
vorbei an bleichen Schemen,
hinauf, hinein in kalte Grab.

Und weiter tragen jene Schritte
voran bis zu der Stätte letzter Ruh.
Ein Schleier, grau und dicht, senkt sich herab,
erstickt bis auf die Pein ein jegliches Gefühl.

Pein, unsäglich schmerzend, bricht hervor,
die Wände schaurig säuseln, flüstern, singen.
Gelähmt mit Blei, erstarren in der grauen Menge
die kraftlos müden Glieder.

Die Pein reißt das Herz – RATSCH – in zwei!
Hinfort damit, so lacht' s am End des Schlundes.
Hinfort!

Fort – es langsam stirbt!
Fort – Totenstill!
Fort – Grabesruh!

Am grauen Tag im schwarzen Schlund,
der Klauen reckt empor.


Autor: Anna Mattern (25 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: In dem Text beschäftige ich mich mit der Beerdigung meines Vaters. Er starb als ich 13 war. Ich habe mich zwar danach mit dem Tod an sich auseinander gesetzt, aber nie mit der Beerdigung, weil es einfach zu schmerzhaft war. Mit dem Gedicht verleihe ich den Gefühle, die ich damals hatte, Worte.
Quelle: Meine Gedichte