Zwischen den Zeilen

Wortlos! Wie soll ich das nur aussprechen? Im Untergrund arbeitet es unaufhörlich. Bin das Ich? Was macht mich sonst noch aus? Eine Maschine die kaputt ist kann repariert werden, ich auch? Nach vielen Seminaren und Therapien habe ich den Glauben an mich verloren. Lange bin ich schon unterwegs auf einer unendlich erscheinenden Reise nach mir Selbst. Erschöpft, Müde, und nun? Werde ich ewiges Futter für die schwarze Welt sein? Wenn ich mich verletzlich zeige, dann werde ich angreifbar und werde auch angegriffen und verletzt, so oft habe ich das schon erlebt. So entsteht ein Nährboden für ein Opfer Dasein. Als Opfer steigt auch die
Missbrauchsgefahr, Mobbing und Druck wird zum Alltag. Ich rege mich auch auf, ich fühle mich gleichzeitig wütend und ohnmächtig! Diese Mischung gärt und tobt im Innersten und raubt mir die Lebenskräfte. Wie eine Lösung finden? Besser ausgedrückt, eine Erlösung? Gibt es dass? Wie könnte diese Aussehen? Wie und Wo finde ich eine Sprache, die eine Kommunikation erlaubt, um einen Konsens zu finden, wenigstens ansatzweise. Und immer wieder diese Wiederholungen, dieses miese Spiel des Lebens! Wie komme ich aus dem Schlamassel heraus?
Hören, etwas das wir heraushören können oder hören wollen, hört jeder anders, wir haben unterschiedliche Ohren, individuelle Ohren, kleine Ohren, große Ohren, hoffnungsvolle Ohren und auch verschlossene Ohren. Es gibt so viele Formen des Hörens wie es Menschen gibt. Wie finden wir eine gemeinsame Sprache die hörbar ist für jedes einzelne Ohr, das wäre ein Hoffnungsschimmer, denn dann, kann auch eine Offenbarung gewagt werden.
Sehen, ein in die Augen erblickter tiefer Augenblick, kann mehr Nähe herstellen, als es je eine Sprache kann, wenn die Seele sich sehen lassen darf. Das Innerstes darlegen, vertrauensvolles Zuwenden, kein Abwenden mehr, das Verletzliche will das so, sonst kann es sich nicht zeigen, dann kann es sich trauen, ins Vertrauen.
Im linken Auge wohnt das Herz, bei einer Begegnungsübung im Seminar hat es sich mir gezeigt, ein Moment den ich nie vergessen werde, es berührte mein Herz, ein Augenblick von großer Strahlkraft von Herz zu Herz, das gibt es wirklich!
Fühlen, ich fühle die Aussage mehr, als die gesprochenen Worte, wie geht das? Einfühlen in das Gegenüber hat mehr Aussagekraft als das gesagte Wort. Mein Inneres erfühlen, wie mein Herz schlägt, wie es in mir strömt und fließt. Wenn ich mich selber fühlen kann und bei mir Zuhause bin, ist ein erster wichtiger Schritt getan.
Sprechen, eine Sprache gemeinsam entwickeln für die Zwischen den Zeilen Sprache, Sprache neu erfinden, Sprache mit Einfühlung, erreicht die innere Seelenlandschaft, die in der Tiefe des Menschen wohnt. Seelensprache holt sie dort sicher ab, Begegnung ohne Worte kann geschehen. Auch die wichtigen Seelenversorger, die Seelsorger, hören anders, spüren anders, erkennen diese Räume als Zwischentöne und stellen eine wichtige, oft nie gehörte Verbindung her, die ein Leben retten kann. Unsere Sehnsucht gilt nicht den großen Worten und Antworten, sondern sucht nach den kurzen Momenten, in denen die Seele sich wahr genommen fühlt, das braucht seine eigene Zeit und seinen eigenen Raum, Räume die erst gestaltet werden wollen, bevor wir eintreten können. Das ist schon ein wichtiger Anfang, die Einrichtung gestaltet sich dann von selbst. Und die Seelensprache findet eine Heimat.
Werden wir gemeinsam eine neue Form der Kommunikation entstehen lassen können, oder, gehen wir rückwärts weiter in die Vergangenheit? Lösen wir weiterhin die Kommunikationsprobleme mit Gewalt, Krieg und Kampf.
" Horch! - Doch es ist nicht zu hören. Sein Name lautet -unhörbar-" Schau! - Doch es ist nicht zu sehen. Sein Name lautet -unsichtbar-. Greif danach! - Doch es ist nicht zu fassen. Sein Name lautet -unfassbar-"
Aus dem " Daodejing, eine humanistische circa 2500 Jahre alte chinesische Spruchsammlung, die die Befreiung von Gewalt und Armut und die dauerhafte Etablierung eines harmonischen Zusammenlebens und den Weltfrieden zum Ziele hat. "

Wir haben alle eine gemeinsame Datenbank, unsere Zellen erinnern alles was war und verbindet unser Sein, das Anzapfen lohnt sich, versuch es!





Autor: Ute Huckele (55 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Schreiben, ein Schriftsteller-Workshop wird in der hiesigen Kunsthalle im Mai 2017 angeboten. Schon lange wollte ich mich im Schreiben ausprobieren, nehme daran teil und tatsächlich, das Schreiben zieht mich wieder hoch, aus der Schwärze empor, mit einer Kraft, mit einer Wirkung nach der ich immer gesucht und von der ich immer geträumt habe.
Endlich Worte finden, Worte die nicht verloren gehen können, Worte die gehört werden wollen. Schwarz auf Weiß stehen sie vor mir, Zeugen meiner Aussage.
Ich traue mich vor der Familie und Freunden und lese eine meiner Geschichten vor.
Die Wirkung auf mein Vortragen der Geschichte im Familienkreis und vor Freunden ist erstaunlich positiv. Stille, keine abwertende Kommentare sind zu hören, Berührte und erstaunte Blicke ernte ich, eine Belohnung für meinen Mut und weißes Futter für meine Seele. Ich fühle mich auf einmal vollkommen akzeptiert, und bei mir selbst angekommen.
Seit ich schreibe fühle ich mich vollständiger, Schreiben, ein Puzzleteilchen mit dem ich mich vollständiger fühlen kann als vorher.
Quelle: Daodejing