Traumwelten in Blau
Traumwelten in Blau

Die Füße wund die Jeans zerfetzt
sitz ich am Straßenrand
auf seinem Blauschimmel reitet Kandinsky
der Weite des Himmels entgegen
jemand spielt
mitten auf dem heißen Asphalt
eine Kornblume zwischen den Zähnen
die Rhapsody in blue
auf Lasker-Schülers Klavier
am Ende der Straße beginnt
der Ozean
in seiner Tiefe umarmt
ein Tintenfisch einen Wal
dann steht da vor mir das Kind
die Hände voller Blaubeeren
leckt es sich über den Mund
und fragt warum
der Himmel heute
seinen Nadelstreifenanzug trägt und
wer die Blaupausen
unserer Tage und Nächte zeichnet
der Pianist spielt noch
immer die Rhapsodie
und von fern belächelt der Mond
unseren Planeten
während ich
weiter träume wissend
die Sehnsucht ist
türkis


Autor: Marita Bagdahn (59 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Träume ... Die meisten haben wir vergessen, sobald wir aufwachen. Manche bleiben in Fetzen hängen, vielleicht, bis wir unter der Dusche stehen, vielleicht etwas länger. Auf jeden Fall verblasst die Erinnerung, verblassen die Bilder und die Zusammenhänge. Bei Tageslicht erscheint alles verworren, obwohl es im Traum selbst so klar und logisch war.
Dieses Gedicht habe ich 2016 geschrieben, nachdem ich die "Poetica 2" in Köln 2016 besucht hatte, ein internationales Literaturfest, das unter dem Thema „Blue Notes“ stand.
Danach war ich ganz erfüllt von BLAU.
Quelle: Die süße Jagd nach Bitternissen, Geest Verlag 2017